Ernährung

Ernährung: Ist bio gesund? Das sagt die Wissenschaft

„Bio“ ist in der EU ein geschützter Begriff und zeichnet Lebensmittel aus ökologischer Landwirtschaft aus. Hiermit ist allerdings nur der Herstellungsprozess gemeint. Dieser macht die Inhaltsstoffe nicht automatisch gesund. Bio-Alkohol, Bio-Butter und Bio-Schokolade sind offensichtliche Beispiele. Doch selbst bei Brot oder Gurken ist sich die Wissenschaft uneinig darüber, was „bio“ alles kann.

Bio-Lebensmittel schützen die Umwelt

Das Konzept zur ökologischen Landwirtschaft hat nicht nur die Gesundheit einzelner Individuen im Blick. Das Thünen-Institut fasste 2018 die Verdienste des Ökolandbaus für Umwelt und Gesellschaft in einer großangelegen Meta-Analyse zusammen. Im „Thünen Report 65“ wurden über 500 Studien aus den vergangenen 30 Jahren ausgewertet, welche ökologische und konventionelle Landwirtschaft miteinander verglichen. Wie sich zeigte, macht sich der Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel insbesondere beim Wasserschutz bemerkbar. Sowohl das Grundwasser als auch das Oberflächenwasser werden weit weniger belastet. Auch bei der Bodenfruchtbarkeit und Biodiversität sind positive Effekte messbar. Das heißt: „Bio“ trägt zum Schutz unserer Lebensgrundlage bei.

Sind Bio-Lebensmittel gesünder?

Es gibt bisher keine verlässlichen Studien dazu, ob Bio-Lebensmittel generell gesünder sind als konventionelle. Es gibt allerdings einige Anhaltspunkte dafür, dass gesundes Gemüse und Obst mit Bio-Siegel die bessere Wahl ist. Ebenso gibt es wissenschaftliche Belege dafür, dass Bio-Milch und Bio-Fleisch eine gesündere Fettsäurezusammensetzung hat.

Keine Pestizidrückstände

ernahrung bio gesund wissenschaft 300x169 - Ernährung: Ist bio gesund? Das sagt die WissenschaftIn Bio-Produkten können Pestizid-Rückstände „weitestgehend ausgeschlossen“ werden, da die ökologische Landwirtschaft bewusst darauf verzichtet. Zu diesem Ergebnis kommt der „Ökomonitoringbericht 2020“, welcher im Juni 2021 vom Staatsministerium Baden-Württemberg vorgestellt wurde. Das Ökomonotoring untersucht jährlich Bio-Lebensmittel und die Pestizid-Belastung ist gleichbleibend niedrig. In 2020 wurden 343 Öko-Produkte von den Chemischen und Veterinäruntersuchungsämtern Baden-Württembergs (CVUAs) getestet. 97 % davon waren komplett unbelastet.

Herkömmliche Lebensmittel sind hingegen oft mit Rückständen der chemisch-synthetischen Mittel zur Bekämpfung von Schädlingen und Unkraut belastet. Ob die Pestizid-Rückstände schädlich sind, ist nicht genau erwiesen. 2018 kam eine Studie der Pariser Universität Nord zu dem Ergebnis, dass Menschen, die oft Bio-Lebensmittel essen, ein um 25 % verringertes Krebsrisiko haben, als Menschen die nur selten Biokost essen. Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung Berlin (BfR) wurden in dieser Studie allerdings mögliche andere Einflussfaktoren für ein Krebsrisiko nicht berücksichtig. Das Bundesinstitut weist daraufhin, dass die erlaubten Höchstwerte für Pestizid-Rückstände weit unterhalb der Dosis liegen, die bei Tierversuchen mögliche unerwünschte Wirkungen gezeigt haben.

Bio-Fleisch ist nicht mit antibiotikaresistenten Bakterien belastet

In einer Übersichtsstudie der Universität Stanford konnten die Wissenschaftler zwar kaum Unterschiede im Vitamin- und Nährstoffgehalt zwischen bio- und herkömmlichen Lebensmitteln feststellen, jedoch ergab die Auswertung aus 237 Studien bis zum Jahr 2012, dass Bio-Fleisch von Hühnern und Schweinen im Gegensatz zu konventionellem Hühner- und Schweinefleisch weniger antibiotikaresistente Bakterien aufweist.

Laut der Verbraucherzentrale werden in „Ökobetrieben und Bio-Lebensmitteln kaum antibiotikaresistente Keime nachgewiesen“. Dies liege daran, dass die EU-Vorgaben zur ökologischen Landwirtschaft den Antibiotika-Einsatz stark begrenzen. Zudem gebe es Bio-Landwirte, die bewusst auf Reserve-Antibiotika verzichten, welche für die medizinische Behandlung von Menschen wichtig sind.

Gentechnik ist in der ökologischen Lebensmittelproduktion verboten

2019 sprachen sich in einer Umfrage des Umweltministeriums 81 % der Deutschen gegen Gentechnik in der landwirtschaftlichen Produktion aus. Der Hauptgrund für die Ablehnung ist die Sorge, dass sich mögliche Folgen der gentechnischen Manipulation nicht absehen lassen.

2021 veröffentlichte die EU eine Studie die im Auftrag der EU-Kommission gentechnisch veränderten Lebensmitteln ein großes Potential für ein nachhaltiges Lebensmittelsystem bescheinigte. Demnach könnten gentechnisch veränderte Lebensmittel (in der Zukunft) sogar gesünder sein, da man z. B. den Gehalt an Fettsäuren verändern könne. Hierbei geht es insbesondere um die Genschere Crispr-Cas9. Die Studie wird von denjenigen begrüßt, die in der EU auf eine neue Gesetzgebung bezüglich gentechnisch veränderter Lebensmittel hoffen. Die Verbraucher bleiben allerdings skeptisch. Für viele ist dies ein weiterer Grund auf Bio-Lebensmittel zu setzen, da dort Gentechnik verboten ist.

Weniger Nitrat und mehr Nährstoffe in Bio-Produkten

Laut dem Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) enthält Gemüse, das aus der ökologischen Landwirtschaft stammt, weniger Nitrat als konventionell angebautes Gemüse. Aus Nitrat könnten beim Kochen krebserregende Nitrosamine entstehen. Es wird allerdings darauf hingewiesen, dass die Art des Anbaus nicht der einzige Faktor für den Nitratgehalt in Gemüse ist.

Weiterhin wiederspricht das BZfE dem zitierten Ergebnis der Universität Standford, dass Bio-Lebensmittel den gleichen Nährstoffgehalt hätten wie konventionelle Lebensmittel. Stattdessen enthielten Bio-Äpfel, Bio-Kartoffeln und ähnliche Produkte weniger Wasser und somit mehr Nährstoffe. Sie lieferten „tendenziell mehr Vitamin C“ und Antioxidanzien zum Schutz vor Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dies kann allerdings nur als „Experten Meinung“ gewertet werden, da das BZfE keine eindeutigen Studien-Beweise nennt.

Fettsäurezusammensetzung ist bei Weidetieren besser

Milch und Fleisch von Tieren mit viel Auslauf und Weidefütterung (ökologische Tierhaltung) hat laut dem BZfE eine günstigere Fettsäurezusammensetzung. Dies bestätigen auch die Milch-Tests der Stiftung Warentest. Desto mehr grünes Weidefutter die Kühe essen, desto höher sei der Gehalt an ungesättigten Fettsäuren wie den gesunden Omega-3-Fettsäuren.

Bio-Lebensmittel können Schadstoffe enthalten

Tests der Stiftung Warentest oder Ökotest zeigen, dass auch Bio-Lebensmittel wie Tee, Nudeln oder Öl kritische Stoffe enthalten können. Hierzu gehören z. B. Schimmelpilze, die bei der Lagerung entstehen können. Potenziell krebserregende Stoffe wie Anthrachinon oder poly­zyklische aromatische Kohlen­wasser­stoffe (PAK) können ebenfalls (ungewollt) in Bio-Lebensmittel gelangen und z. B. bei Verbrennungsprozessen entstehen.

Fazit

Die Studienlage zur Gesundheit von Bio-Lebensmitteln ist noch nicht sehr aussagekräftig. Es ist also nicht gesagt, dass die einzelne Bio-Gurke unbedingt gesünder ist, als eine konventionell angebaute Gurke. Oft wird bei Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit angemerkt, dass regelmäßige Bio-Käufer ohnehin bewusster und ausgewogener leben und darum gesünder sind. Da die biologische Landwirtschaft aber einen nachweißlich positiven Einfluss auf unsere Lebensgrundlagen wie sauberes Wasser hat, dienen bio-Lebensmittel auch indirekt der Gesundheit.

Urhebender Autor: Redaktion Futura

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