Flora

Die Pflanze hat ein echtes Sozialleben

Wie Bienen oder Ameisen praktizieren diese Farne eine erstaunliche Aufgabenteilung, die einem echten Sozialleben ähnelt.

Eusozialität ist eine Form der sozialen Organisation, bei der Tierkolonien in Gruppen aufgeteilt sind, denen jeweils eine bestimmte Funktion zugewiesen ist. Dies ist bei Ameisen, Termiten oder Bienen der Fall, wo es z. B. sterile Arbeiterinnen gibt, die für das Einbringen von Nahrung oder die Reinigung der Brut zuständig sind, und eine Königin, die für das Legen der Eier verantwortlich ist. Bislang war der Begriff eusozial für Tiere reserviert. Doch Forscher der Universität von Wellington in Neuseeland haben im Hirschhornfarn (Platycerium bifurcatum) eine Organisationsform entdeckt, die einer solchen Arbeitsteilung sehr nahe kommt.

sozialleben pflanze 300x169 - Die Pflanze hat ein echtes SoziallebenBei Feldarbeiten auf der Lord Howe Insel, zwischen Australien und Neuseeland, bemerkte der Biologe Kevin Burns etwas Überraschendes. Mir wurde klar, dass der Farn nie alleine wächst, sondern in Büscheln von mehreren hundert Individuen“, sagte er gegenüber Science News. “Es war mir klar, dass jeder Farn eine andere Rolle spielte.” Kevin Burns bemerkte insbesondere zwei Arten von Wedeln (das Organ, das bei Farnen die Rolle des Blattes spielt). Auf der einen Seite Farne mit langen, grünen, wächsernen Wedeln, die das Wasser zum Zentrum der Ansammlung zu leiten scheinen und photosynthetisch aktiv sind; auf der anderen Seite die braunen, schwammigen, „Nest“-Federn, die Wasser absorbieren und keine Photosynthese betreiben. „Kurz gesagt, die Wedel teilen sich die Arbeit, wobei die Nestwedel die Bandwedel mit Wasser versorgen“, fasst Kevin Burns zusammen.

40% der Farne unfruchtbar

Noch überraschender: Bei der Analyse der Fruchtbarkeit der Wedel stellte der Biologe fest, dass sich 40 % nicht fortpflanzen konnten und dass sich diese sterilen Wedel meist in der Mitte der Gruppe befanden. Die Forscher führten auch eine genetische Analyse von zehn Farnkolonien auf Lord Howe Island durch und fanden heraus, dass acht von ihnen aus genetisch identischen Individuen bestanden. Frühere Studien haben gezeigt, dass eusoziale Tiere oft eine konvergente genetische Evolution innerhalb der Kolonie haben. Zusammengenommen deuten all diese Elemente darauf hin, dass der Hirschhornfarn alle Voraussetzungen für Eusozialität erfüllt.

Sind Pflanzen soziale Wesen?

Andere Formen der Zusammenarbeit wurden bereits bei Pflanzen beobachtet. Pflanzen und Mykorrhizapilze leben in einer Symbiose, bei der beide Nährstoffe miteinander austauschen. Pflanzen senden auch elektrische und chemische Signale aus, wenn sie angegriffen werden, die ihren Artgenossen helfen, sich auf die Bedrohung vorzubereiten, indem sie zum Beispiel ihre Produktion von giftigen Produkten erhöhen. Manche gehen sogar so weit, von einem „sozialen Netzwerk“ des Waldes zu sprechen. Die Idee einer angeblichen Intelligenz oder Soziabilität von Pflanzen wird jedoch nicht einhellig akzeptiert.

Urhebender Autor: Celine Deluzarche

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