Fauna

Neandertaler ist nicht des Menschen nächster Verwandter

Der fossile Schädel des Drachenmenschen, der zu einer neuen Art von Homo gehört, stellt die Phylogenie der menschlichen Abstammung auf den Kopf und untergräbt die Position des Neandertalers als nächstem Cousin des modernen Menschen.

Ein fossiler Schädel war 90 Jahre lang im Geowissenschaftlichen Museum der Hebei GEO Universität in China gelagert. Er wurde in den 1930er Jahren in der Stadt Harbin im Nordosten Chinas entdeckt. Dieser menschliche Schädel ist bekanntlich der einer neuen Homininenart, die Forscher in drei in der Zeitschrift The Innovation veröffentlichten Arbeiten wissenschaftlich Homo longi und allgemeiner Dragon Man nennen.

Laut dem Paläontologie-Professor Qiang Ji von der Hebei GEO Universität ist das Harbiner Fossil außergewöhnlich gut erhalten und gehört zu den vollständigsten Schädelresten eines fossilen Menschen, die jemals gefunden wurden. In dieser Hinsicht enthält dieses Fossil wertvolle morphologische Details, die zum Verständnis der Evolution der Gattung Homo sowie der Entstehung von H. sapiens beitragen.

Eine neue Art: Homo longi

neandertaler menschen verwandter 300x169 - Neandertaler ist nicht des Menschen nächster VerwandterDer Schädel von Harbin könnte tatsächlich ein Gehirn enthalten, dessen Größe mit der des Gehirns des heutigen Menschen vergleichbar wäre. Sie hat jedoch größere, fast quadratische Augenhöhlen, dicke Augenbrauenbögen und sehr große Zähne. Sie weist sowohl Merkmale auf, die von Vorfahren als auch von Menschen stammen, aber die Kombination dieser Merkmale erlaubte es den Forschern nicht, sie einer zuvor definierten Art zuzuordnen, weshalb sie die neue Art H. longi definierten.

Der Schädel hätte zu einem Mann von etwa fünfzig Jahren gehört, der in einer Wald- und Auenlandschaft innerhalb einer kleinen Gemeinde lebte. Basierend auf diesen Daten und der geschätzten Größe von H. longi legt das Forscherteam nahe, dass Mitglieder dieser Art an raue Umgebungen angepasst gewesen sein müssen, was ihnen die Ausbreitung über Asien ermöglichte. Laut dem Primatologen und Paläoanthropologen Xijun Ni hatte H. longi einen Lebensstil, der in mancher Hinsicht dem von H. sapiens ähnelt: Er jagte Säugetiere und Vögel und erntete Obst und Gemüse.

Unser nächster Verwandter?

Geochemische Analysen haben ergeben, dass der Schädel des Drachenmenschen mindestens 146.000 Jahre alt ist, eine Zeit der menschlichen Migration. Die Autoren der Studien weisen darauf hin, dass es daher wahrscheinlich ist, dass sich H. longi und H. sapiens in dieser Ära begegneten. Bislang gingen Paläoanthropologen davon aus, dass der Neandertaler unser engster Cousin innerhalb der menschlichen Abstammungslinie ist. Neue Rekonstruktionen der menschlichen Phylogenie legen jedoch nahe, dass sich H. neanderthalensis und H. sapiens vor einer Million Jahren auseinander entwickelt haben könnten, also 400.000 Jahre früher als in der Literatur angenommen. Die Position des engsten Vetters von H. sapiens, die bisher dem Neandertaler zugeschrieben wurde, könnte also an H. longi gehen.

Die Untersuchung des Schädels des Drachenmenschen verspricht, die evolutionären Beziehungen zwischen menschlichen Arten und Populationen neu zu überdenken. Dennoch bleiben viele Fragen zu H. longi unbeantwortet, einschließlich der Frage, wie lange es existierte und welche möglichen Wechselwirkungen es mit H. sapiens hatte, die unsere Geschichte beeinflusst haben könnten.

Urhebender Autor: Fidji Berio

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