Besondere Ameisen: Sie können ihr Gehirn verändern!

Ameisen sind dafür bekannt, dass sie nach einer gut etablierten sozialen Organisation leben. Aber es scheint, dass die indischen Springameisen, die Dinge ein wenig anders sehen. Wenn ihre Königin verschwindet, wählen sie eine neue unter ihren Arbeiterinnen. Und die neue Königin macht erstaunliche Veränderungen durch, die bei ihrer Absetzung dann auch wieder rückgängig gemacht werden können.

ameisen konnen ihr gehirn verandern 300x300 - Besondere Ameisen: Sie können ihr Gehirn verändern!Bei Ameisen gibt es eine klare Rollenteilung. Während die Königin die Eier legt, tun die Arbeiter den Rest. Hierzu gehört zum Beispiel die Suche nach Nahrung, das Füttern der Jungen und Krieg zu führen. Wenn die Ameisenkönig stirbt, löst sich die Kolonie in Luft auf uns alle Ameisen suchen sich neue Gemeinschaften.

Seit Jahren beobachten Forscher der Kennesaw State University (USA) indische Springameisen. Ihr wissenschaftlicher Name ist Harpegnathos saltator. Sie organisieren sich ein wenig anders, als andere Ameisenarten. Wenn ihre Königin stirbt, veranstalten die anderen Ameisen seltsame Wettbewerbe. Sie stechen sich gegenseitig mit ihren Fühlern – und das kann bis zu 40 Tage lang dauern! Ziel ist es, das Machtgleichgewicht zwischen den Ameisen herzustellen. Die Ameise, die gewinnt, nimmt den vakanten Platz auf dem Thron ein.

Um Eier legen zu können, wird die Arbeiterameise zur Königin und ihre Eierstöcke erweitern sich. Ihr Gehirn schrumpft um bis zu 25%. Sie hört auf, Gift zu produzieren und ändert ihr Verhalten. Sie versteckt sich vor Eindringlingen und hört auf zu jagen.

Von der Arbeiterin zur Königin und andersherum

Noch erstaunlicher ist, dass Forscher der Kennesaw State University nun berichten, dass indische Springameisen dann die Autorität ihrer Königin in Frage stellen können. Dies stellten sie fest, indem sie einige dieser neuen Ameisenköniginnen isolierten und sie dann wieder in ihre Kolonie einführten. Während der Isolation scheint ihre Fruchtbarkeit abgenommen zu haben. Und als sie nach Hause kamen, wurden sie sofort von Arbeiterameisen aufgehalten.

Laut den Forschern war dies ein Weg, um zu verhindern, dass sich die Kolonie mit mehreren reproduzierenden Ameisen auseinandersetzen musste. Der Stress des Ausgeschlossenseins bewirkt, dass die Ameise eine Kaskade chemischer Veränderungen durchläuft, die sie in nur ein oder zwei Tagen wieder in eine Arbeiterin verwandeln sollen. Ihre Eierstöcke schrumpfen und ihr Gehirn wächst nach. Sie beginnt wieder Gift zu produzieren. Eine reversible Plastizität, die Forscher als ziemlich einzigartig bezeichnen.

Während diese Art von Plastizität zum Beispiel bei Vögeln bereits beobachtet wurde, die je nach Jahreszeit – ob sie brüten oder nicht – mehrere zehntausend Neuronen zu- und wieder abnehmen, wurde sie bei Insekten noch nie beobachtet. Es gab zwar bereits Veränderungen bei Übergängen zwischen Lebensphasen, aber niemals rückwärts. Diese Beobachtung könnte den Forschern nun helfen, die Entwicklung des menschlichen Gehirns besser zu verstehen.

Urhebender Autor: Nathalie Mayer