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Stadtplaner: Architekten für ganz große Visionen

Die Stadtplanung ist ein komplexes Umfeld. Das Hauptanliegen besteht darin, die unterschiedlichen Themenfelder in Einklang zu bringen und dabei verschiedene Interessenkonflikte aufzulösen. Um das zu realisieren, benötigt der Stadtplaner facettenreiche Kompetenzen und ein breit gefächertes Fachwissen. Seine Arbeit ist so facettenreich wie das Auge einer Stubenfliege.

In den 1970er-Jahren hat sich die Stadtplanung an deutschen Universitäten als eigenständiges Fachgebiet etabliert. Bis dahin wurde dieser Tätigkeitsbereich hauptsächlich von Architekten übernommen. Bis in die 1990er-Jahre war das Berufsbild des Stadtplaners dennoch weitestgehend unbekannt. Planer mit einem derartig breit gefächerten Wissen von Ingenieurwissenschaften, Architektur, Planungs- und Baurecht, Soziologie und Ökonomie galten als Seltenheit. Dass dieses Berufsfeld eine wichtige Rolle einnimmt, zeigt sich in der Komplexität, welche die Stadtentwicklung mit sich bringt.

Welche Fragestellungen bearbeitet ein Stadtplaner?

Bei der Planung von Städten geht es um ein lebenswertes Umfeld, in welchem der Mensch eine sichere Zukunft vorfindet. Dabei spielt das Verständnis für soziale, ökonomische und ökologische Problematiken eine große Rolle. Diese drei Kernbereiche sind eng miteinander verknüpft und müssen daher in einem stadtplanerischen Projekt als synergetisches Feld betrachtet werden.

Soziale Aufgabenstellungen

Stadtplaner tragen eine Verantwortung hinsichtlich des Wohlbefindens der Stadtbewohner. Diese sozialen Aspekte beinhalten die Notwendigkeit, allen Menschen eine Möglichkeit für bezahlbare Unterkünfte bieten zu können. Gleichzeitig ist die Infrastruktur so zu planen, dass jede Person unabhängig von ihrem Alter und der Mobilität einen guten Zugang zu öffentlichen Verkehrsmitteln und Einkaufsmärkten vorfindet. Idealerweise wird eine qualitative Verbesserung öffentlicher Räume angestrebt, denn sie fungieren als Bereiche des Zusammenkommens. Menschen benötigen als soziale Wesen Orte, an denen sie sich begegnen und austauschen können.

Städte sehen sich zunehmend in einer sozialen Funktion, denn sie sind für die Bewohner und nicht mehr primär für Verkehr und Industrie gemacht. Das Leben spielt sich in den Fußgängerzonen, Parkanlagen und Altstädten ab. Hier halten sich nicht nur Bewohner, sondern auch Besucher auf. Umso wichtiger ist es für den Stadtplaner, dieses Umfeld ästhetisch zu gestalten und dabei die Anforderungen an die verschiedenen Jahreszeiten nicht zu vernachlässigen. In diesem Bereich nimmt die Planung des Stadtmobiliars einen hohen Stellenwert ein. Als Straßenmöbel gelten jene Gegenstände, die ähnlich wie das Mobiliar in Wohnungen einem bestimmten Zweck dienen. Nicht nur Bänke, Tische und Unterstände fallen in diese Kategorie, sondern auch Werbetafeln, Absperrpfosten oder Fahrradständer. Bei der Möblierung von Innenstädten sieht sich der Stadtplaner folgenden Fragestellungen gegenüber:

  • Ästhetik: Fügen sich die Stadtmöbel optisch in die Umgebung ein?
  • Funktion: Bieten die Gegenstände den Menschen einen Mehrwert, sodass sie sich wohlfühlen?
  • Haltbarkeit: Halten die Materialien den Witterungsbedingungen im Jahresverlauf stand?

Ökonomische Problematiken

okonomische problematiken stadtplanung 300x200 - Stadtplaner: Architekten für ganz große VisionenDie Hauptfrage einer jeden Person beschäftigt sich mit der Finanzierung seines Lebensunterhaltes. Menschen benötigen ein sicheres Einkommen und damit stabile Arbeitsplätze. Daher ist die Planung von gesunden und durchdachten Industrie- und Gewerbelandschaften eine wichtige Aufgabe im Berufsleben eines Stadtplaners. Gleichzeitig sind solche städtischen Strukturen wichtig für die Stadt selbst, denn durch Gewerbesteuern und sonstige Abgaben genießen öffentliche Kassen zusätzliches Einkommen. Dieses ist wiederum wichtig, um Maßnahmen umsetzen und Arbeitsplätze wie die des Stadtplaners erst ermöglichen zu können.

Ökonomie und Kultur sind eng miteinander verbunden, denn auch die Kulturszene schafft Arbeit und sichert den Bewohnern ein Gehalt. Dieser Bereich erzeugt für Menschen unterschiedlicher Altersgruppen einen Raum, um aus den alltäglichen Routinen zu entkommen und den eigenen Horizont zu erweitern. Die stadtplanerischen Aufgaben sehen sich im Kontext einer aufstrebenden Kunst-, Kultur- und Musikszene, welche die Attraktivität des Stadtlebens für Jung und Alt erhöht.

Ökologische Bereiche

okologische bereiche stadplanung architeckten 300x168 - Stadtplaner: Architekten für ganz große VisionenDer Umweltschutz ist ein immens wichtiger Bestandteil der Stadtplanung. War in der Vergangenheit die Wirtschaft ausschließlich wachstums- und gewinnorientiert, steigt das Bewusstsein für die Auswirkungen auf Natur und Umwelt in der Gegenwart zunehmend an. Die Steigerung von Produktion und Umsatz erhöht die ökologischen Schäden, denn ein rücksichtsloser Umgang mit Ressourcen und zunehmende Luft- und Wasserverschmutzungen hinterlassen Spuren. Das zu verhindern, ist nicht nur Aufgabe der Industrieakteure. Stadtplaner haben die Verantwortung, diese Bereiche der Stadtlandschaft im Blick zu behalten und für einen Ausgleich zu sorgen.

Sie müssen bei ihren Planungen den Klimawandel berücksichtigen und benötigen Fachwissen darüber, wie die zunehmenden Klimaereignisse wie Stürme und Starkregen die Stadtumgebung beeinträchtigt. Ganzheitliche und nachhaltige Energiekonzepte stehen genauso in ihrem Arbeitsprogramm wie effektive Konzepte für den Verkehr und die Bauweisen, um den Ausstoß von CO2 auf ein niedriges Niveau zu bringen und dort zu halten. Stadtplaner beschäftigen sich mit der Problematik des Flächenverbrauchs und benötigen beispielsweise ein umfassendes Verständnis dafür, wie viele Wohneinheiten auf einem Hektar Land sinnvoll sind. Zugleich setzen sie sich mit den Themen von Nachverdichtung und Gebäudesanierungen auseinander und müssen ihr Gespür für ein ganzheitliches Denken unter Beweis stellen.

Ein nicht unwesentlicher Themenschwerpunkt stellt der Naturschutz dar, denn auch die städtische Artenvielfalt hat eine große Auswirkung auf die Lebensqualität. Je artenreicher die Natur ist, desto glücklicher ist der Mensch. Ausschlaggebend für das menschliche Wohlbefinden sind vielfältige Naturgeräusche, bunte Farben und anregende Düfte. Stadtbewohner fühlen sich hingezogen zu den grünen Oasen, in denen die Vögel zwitschern, Bienen summen und Blüten ein farbenfrohes Meer kreieren. Die Stadtplanung fokussiert sich auf die Gestaltung von Parkanlagen, Grünstreifen und Bauminseln und eine Begrünung nach dem natürlichen Vorbild mit einheimischen Pflanzen, um die Artendiversität in der Stadt zu erhöhen und das Umfeld lebensfreundlicher zu gestalten.

Wie realisieren Stadtplaner diese Kernbereiche?

Unter Berücksichtigung der Kernbereiche besteht die Hauptaufgabe dieses Berufsfeldes darin, Pläne zu erstellen. Der Städtebau greift zurück auf den Bereich der Stadtplanung, denn jedes Bauvorhaben beginnt mit einer Planentwicklung. Die planerische Arbeit basiert auf drei Säulen:

  • Planung: vorbereitende Planerstellung mit gestalterischem Hintergrund
  • formelle Planung: Realisierung von Planungsinhalten nach gesetzlichen Vorschriften
  • Planungskommunikation: Präsentation von Plänen in verbaler und visueller Form

Architektonische Entwurfstätigkeit

Sie ist Teil der informellen Planungsebene und durch Ideenreichtum und Kreativität gekennzeichnet. Gelegentlich stehen Architekten und Stadtplaner in Konkurrenz, da das Zeichnen von Planungszielen und -inhalten und die Fertigkeit zum Lesen von Plandarstellungen grundlegende Kompetenzen in der Stadtplanung sind. Jedes Projekt ist eng verknüpft mit Bautätigkeiten. Doch der Architekt beschäftigt sich in erster Linie mit dem Bau von einzelnen Gebäuden. Stadtplaner fokussieren sich auf ganze Stadtteile.

Das Fachwissen aus architektonischen Bereichen erweitert den Rahmen der Planung, denn es ermöglicht gestalterische Aspekte. Diese Säule unterliegt keinen rechtlichen Vorschriften, sodass die Pläne freier und individueller gestaltet werden können. Es ist ein wenig vergleichbar mit der Kunst, denn der Planer zeichnet seine Visionen auf ein Blatt Papier und gibt ihnen eine visuelle Struktur. Eine derartige Gestaltungsplanung ist wichtig, da die Ästhetik von Bauwerken und die Gestaltung von Stadtgrün wiederum positive Auswirkungen auf den sozialen Aspekt hat.

Juristische Auseinandersetzung

Dieser Bereich fällt in die formelle Planungssäule. Sämtliche entworfenen Pläne müssen hinsichtlich der gesetzlichen Regelungen geprüft werden. Die Stadtplanung basiert hauptsächlich auf dem Bau- und Planungsrecht. Geprüft wird, ob Bebauungs- und Flächennutzungspläne die rechtlichen Grundlagen und Ziele einhalten. Im Rahmen der Verfahren des Baugesetzbuches versucht der Planer die unterschiedlichen Interessen abzuwägen und dabei Behörden, Politik und Bürger mit einzubeziehen.

Zum Wohle von allen Beteiligten fügt er die einzelnen Aspekte wie Puzzleteile zu einem großen Ganzen zusammen. Dabei wägt er ganz genau ab, welche Teile nebeneinanderliegen dürfen und welche nicht miteinander kombinierbar sind. Am Ende seiner Planung erhält er ein zusammengefügtes Puzzle, welches alle Kernbereiche abdeckt. In der formellen Planungstätigkeit gewährleistet ein Stadtplaner Rechtssicherheit, auf die sich Städte und Kommunen sowie Investoren und Bürger verlassen können.

Kommunikative Angelegenheiten

Kommunikationswissenschaftliches Fachwissen verleiht dem Stadtplaner Zusatzkompetenzen, mit denen er seinen Berufsalltag erweitern kann. Die Präsentation seiner Pläne vor der Öffentlichkeit und die damit einhergehende Moderation solcher Runden ist häufig Aufgabe von berufserfahrenen Planern. Tagungen, Arbeitsrunden und Podien sind wichtige Zusammenkünfte, bei denen die Betroffenen Fragen stellen und sich austauschen können. Sie machen die Stadtplanung greifbar für die Bürger und dienen dazu, Konflikte zu vermeiden. Daher übernimmt der Moderator gleichzeitig die Funktion eines Vermittlers, damit bei Problemen eine gemeinsame Lösung gefunden werden kann. Moderationsmethoden sind neben der Fähigkeit, Pläne visuell verständlich darstellen zu können, bedeutend für die Ausübung dieser Tätigkeit.

Urhebender Autor: Redaktion Futura

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