Haushalt

Green Deal in Gefahr: Steigende Strompreise und ihre Auswirkungen

Die Netto-Emissionen im Bereich der Treibhausgase bis 2050 auf null senken, könnte scheitern. Es ist stürmisch auf dem Energiemarkt. Der höchste Preisanstieg für Strom seit vielen Jahren bringt die Gefahr mit sich, dass der in der EU geplante Green Deal, also die Netto-Emissionen im Bereich der Treibhausgase bis 2050 auf null zu senken, scheitern könnte. Schon jetzt hat die Preisrally kleine europäische Energieversorger in die Insolvenz gezwungen. Das hat auch unangenehme Folgen für die Verbraucher, die bei einem Wechsel oft höhere Strompreise in Kauf nehmen müssen. Was ist zu tun?

Strompreise auf Rekordhoch

Wollen sich die Versorger in der EU an der Strombörse mit Strom versorgen, müssen sie tief in die Tasche greifen. Deutschland führt diese unschöne Liste mit 214 Euro pro Megawattstunde an. Dabei liegt der durchschnittliche Preis laut Bundesnetzagentur bei 68 Euro und damit ist Deutschland weit über dem Mittelwert.

EU-Staaten arbeiten Notfallpläne aus

green deal in gefahr strompreise auswirkungen 300x169 - Green Deal in Gefahr: Steigende Strompreise und ihre AuswirkungenUm den Endverbrauchern nicht noch höhere Strompreise zuzumuten, haben die ersten EU-Staaten, allen voran Spanien, Italien und auch Griechenland Notfallpläne auf den Weg gebracht. Darüber hinaus fordern diese Länder und auch Polen, Ungarn und Rumänien ein Einschreiten der EU.

Kadri Simson, EU-Energiekommissarin will schnellstmöglich Vorschläge unterbreiten, wie man die Einzelstaaten unterstützen und die Preissteigerung kompensieren kann. Basis hierfür sollen aber nationale Programme, z.B. in Form von Steuererleichterungen für Unternehmen sein. Neue Vorgaben der EU sollen, auch mit Blick auf das „Fit-for-55“-Klimapaket und den Green Deal, vermieden werden.

Mit der nun stattfindenden Preisrally bekommt dieser noch mehr Gegenwind, als er ohnehin schon hatte. Vor allem aus Frankreich, Spanien und Osteuropa kommt Widerstand, weil man dort die im Rahmen des Klimapakets geplante Ausweitung des Emissionshandels auf Verkehr und Gebäude strikt ablehnt.

Hier zeigt sich einer der Nachteile der EU-Strukturen, denn solch weitreichenden Klimaziele lassen sich nur dann realisieren, wenn sämtliche EU-Staaten mitmachen. Allerdings verfolgt jedes Land auch eigene Interessen, um seine Bürgerinnen und Bürger nicht zu enttäuschen und sie vor zu hohen Strompreisen zu bewahren.

Experten der EU glauben, dass die steigenden Strompreise vor allem den Entwicklungen auf dem globalen Gasmarkt geschuldet sind. Mit Blick auf das Gasprojekt Nordstream 2 könnte man vermuten, dass Gazprom, der russische Staatskonzern, sich in Marktmanipulation versuche und so hat Polen eine Untersuchung in diese Richtung verlangt. Nicht wenige vermuten inzwischen, dass Russland versucht, die EU-Genehmigungsverfahren für den Betrieb der Gaspipeline zwischen Deutschland mithilfe hoher Gas- und Strompreise zu beschleunigen. Wie dem auch sei, die EU ist gefordert, etwas gegen die steigenden Gas- und Strompreise zu unternehmen. Ein wichtiger Schritt könnte die von Spanien geforderte zentrale Gasbeschaffungsplattform sein, durch die die Staatengemeinschaft ihre Verhandlungsposition gegenüber den USA, Russland und anderen Förderländern deutlich stärken würde.

Für Verbraucher gilt: Eigenbedarf senken und Strompreise vergleichen

Immer mehr Verbraucher sind die hohen Strompreise leid und versuchen selbst, Wege zu finden, um ihre Energiekosten zu senken.

Verantwortungsvoller Umgang mit Energie

Das gelingt einmal durch das ganz bewusste und verantwortungsvolle Nutzen elektrischer Geräte im Haushalt. Dazu gehört etwa, auf den Stand-by-Betrieb bei Fernseher oder Computer zu verzichten. Aber auch das Löschen des Lichts in wenig genutzten Räumen, die stromsparende Platzierung des Kühlschrankes (möglichst nicht neben einer Heizung) oder die Reduzierung der Zimmertemperatur helfen dabei, weniger Strom zu verbrauchen. Darüber hinaus sind energieeffiziente Haushaltsgeräte und eine gute Wärmedämmung der eigenen vier Wände adäquate Mittel, Strom und damit Geld zu sparen.

Strompreise vergleichen, Anbieter wechseln

Eine weitere Möglichkeit, die eigenen Stromkosten zu senken, besteht in einem Stromvergleich, also dem Tarif- und Strompreisvergleich verschiedener Energieversorger. Hierfür eignen sich Vergleichsportale, auf denen man einfach nur seine Postleitzahl, die Anzahl der im Haushalt lebenden Personen sowie den letztjährigen Stromverbrauch eingeben muss.

Außerdem kann man angeben, ob in der Ergebnisliste national tätige Versorger enthalten sein sollen oder regionale Stromanbieter, die dann fast immer eine Versorgung mit Ökostrom anbieten. Das System sucht dann nach passenden Anbietern, bei denen der Verbraucher einen besseren Tarif als den aktuellen erhalten würde.

Vor allem, wenn man vor einem Umzug steht oder der augenblickliche Stromvertrag ausläuft, sollte man unbedingt nach günstigeren Tarifen umschauen. Besonders kreative Verbraucher lassen sich auch eine Photovoltaik-Anlage aufs Dach montieren oder installieren zumindest eine Mini-Solaranlage auf dem Balkon.

Eine solche Plug & Play-Solaranlage darf maximal 600 Watt liefern, lässt sich einfach an die Steckdose anschließen und kann die Wohnung mit selbsterzeugtem Strom versorgen. Der Zähler muss allerdings mit einer sogenannten Rücklaufsperre versehen sein.

Urhebender Autor: Redaktion Futura

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