Gesundheit

Risikobereitschaft – Woher kommt sie?

Das Thema Risikobereitschaft ist ein sehr breit angelegtes, das uns sowohl im Alltag als auch in der Psychologie begegnet. Zahlreiche Studien zu dem Thema kommen dabei interessanterweise immer mal wieder zu unterschiedlichen Schlüssen, was die tatsächliche Messbarkeit und die Ursache unserer Risikobereitschaft angehen.

Was genau ist Risikobereitschaft?

Die wohl größte Studie zu diesem Thema der letzten Jahre wurde im Jahr 2017 vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Kooperation mit der Universität Basel aufgelegt. Diese zeigte, dass die Risikobereitschaft des Menschen ein Faktor ist, der sich als relativ stabil darstellt und so etwas wie ein Persönlichkeitsmerkmal ist. Vergleichen wird die Risikobereitschaft – in diesem Zusammenhang auch gerne als R-Faktor bezeichnet – beispielsweise mit dem IQ. Wobei die Autoren der Studie darauf hingewiesen haben, dass die Risikobereitschaft mehr äußeren Einflussfaktoren unterworfen zu sein scheint als der IQ eines Menschen.

Dennoch scheint die Risikobereitschaft als Faktor ein Stück weit messbar zu sein. In der täglichen Sprache meint der Begriff „Risikobereitschaft“ die Bereitschaft, ein Risiko einzugehen. Dabei ist die Fähigkeit der Abwägung von möglichem Erfolg und verbundener Gefahr größer, je kleiner die Risikobereitschaft ist. Mit steigender Risikobereitschaft nimmt diese Fähigkeit der Risikoanalyse im gleichen Maße ab. Das allein ist bereits in Indiz dafür, dass auch Faktoren, die uns in unserer Entscheidungsfindung beeinflussen können, einen unmittelbaren Einfluss auf die Risikobereitschaft eines Menschen haben.

Ist Risikobereitschaft ein Faktor, der in allen Lebenslagen gleich liegt?

Grundsätzlich gibt es nahezu keine Lebenssituation, in der es kein Risiko gibt. Wer in ein Auto steigt, setzt sich dem Risiko aus, einen Unfall zu erleiden – ebenso wie derjenige, der mit dem Fahrrad fährt. Prinzipiell ist jede Entscheidung im Leben mit einem gewissen Risiko verbunden. Das wissen wir und nehmen es in vielen Fällen schon nur noch unterbewusst wahr. Auch, weil ein ständiges Nachdenken über die möglichen Risiken früher oder später zu ernsthaften psychischen Problemen führen könnte.

Doch auch wenn es in jeder Lebenslage Risikosituationen gibt, ist unsere Risikobereitschaft nicht in jeder Lebenslage gleich groß. Da wäre beispielsweise die Auswahl der persönlichen Hobbys. Wer sich hier für einen Extremsport entscheidet, ist bereit, ein vergleichsweise hohes Verletzungsrisiko einzugehen. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass dieselbe Person auch bereit sein muss, in Sachen Kapitalanlagen ein ebenso hohes Risiko einzugehen. Das zeigt, dass es eine ganze Reihe verschiedener Faktoren gibt, die unsere Risikobereitschaft in verschiedenen Situationen beeinflussen. Wir haben hier einmal eine Reihe solcher Faktoren zusammengetragen.

Was genau beeinflusst unsere Risikobereitschaft?

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Zuweilen wird eine mangelnde Risikobereitschaft mit Angst gleichgesetzt – auch wenn es sich vielleicht in dem Moment nur um eine persönlich als vernünftig angesehene Form von Vorsicht handelt. Dabei ist es in der Betrachtung stets entscheidend, wer eine Handlungsweise bzw. die Risikobereitschaft einer bestimmten Person bewertet. Denn je nach unseren Lebensumständen und Erfahrungen kann sich die Risikobereitschaft im Laufe des Lebens teilweise auch stark verändern.

In der Psychologie kennt man eine ganze Reihe solcher Faktoren. Diese haben in aller Regel etwas mit der Persönlichkeitsbildung und dem Lebensabschnitt zu tun, in dem wir uns gerade befinden. Die wichtigsten Faktoren sind dabei:

  • das Alter
  • die eigenen Erfahrungen
  • das Umfeld
  • die eigene Stimmung
  • der Faktor Müdigkeit
  • das Geschlecht

In der Folge haben wir einmal kurz zusammengefasst, wie die einzelnen Faktoren unsere Risikobereitschaft nachhaltig beeinflussen.

Das Alter

Man sagt der Jugend gern eine gewisse Unbekümmertheit nach, die schnell in einer erhöhten Risikobereitschaft münden kann. Tatsächlich haben Forscher aus den USA festgestellt, dass die Risikobereitschaft bei Kindern und Jugendlichen kontinuierlich zunimmt. Das hat etwas mit der Lust der Jugend an der Sensation zu tun. Den Höhepunkt erreicht diese Risikobereitschaft aus psychologischer Sicht bei Männern im Alter von 19 Jahren. Danach flacht sie zumeist wieder ab. Bei Mädchen erreicht die Lust an der Sensation und die damit verbundene Risikobereitschaft bereits im Alter von 16 Jahren ihren Höhepunkt. So gehen beispielsweise von Natur aus eher jüngere Menschen das Risiko ein, ohne Führerschein hinterm Steuer erwischt zu werden. Eine solche Bereitschaft kann zweifellos zu weitreichenden Konsequenzen führen.

Eigene Erfahrungen

Die eigene Erfahrung kann unsere Risikobereitschaft auf verschiedene Arten beeinflussen. Da wäre einmal das bekannte Sprichwort, dass ein gebranntes Kind das Feuer scheut. Wer einmal eine negative Erfahrung in einem Bereich gemacht hat, ist hier in aller Regel in Zukunft vorsichtiger. Doch das trifft nicht immer zu. In Ausnahmefällen kann die Reaktion auch eine vollkommen andere sein. So können beispielsweise Menschen, die eine besonders traumatische Situation erlebt haben, danach auf einmal entgegen aller vermeintlichen Vernunft sehr viel risikobereiter sein als vorher. Das hat dann mit dem gedanklichen Effekt zu tun, dass ihnen nach dem erlebten und überlebten wohl kaum noch etwas Schlimmeres passieren kann.

Das Umfeld

Der Gruppenzwang ist bei der Frage nach der Risikobereitschaft ein ganz wichtiger Faktor. Vor allem bei Jugendlichen haben zahlreiche Studien ergeben, dass das Zusammensein mit Gleichaltrigen die eigene Risikobereitschaft stark anheben kann, wenn in der Gruppe ein Konsens für eine bestimmte, sehr risikobehaftete Handlung besteht. So erklären sich teilweise halsbrecherische Mutproben junger Menschen. Interessant ist, dass auch diese Form der Beeinflussung in den meisten Fällen mit zunehmendem Alter nachlässt.

Die eigene Stimmung

Die Stimmung spielt bei der momentanen Risikobereitschaft eine nicht zu unterschätzende Rolle. Bei guter Laune ist man allgemein risikobereiter als bei schlechter Laune oder einem schlechten Allgemeinbefinden. Allerdings spielt sich hier die Verschiebung in einem vergleichsweise schmalen Rahmen ab. Wer im Allgemeinen nicht zu großer Risikobereitschaft neigt, wird nicht auf einmal sehr risikofreudig, nur weil er gute Laune hat.

Fun Fact

Dieser Effekt zeigt sich nicht nur bei einzelnen Menschen, sondern auch bei ganzen Städten oder Regionen. In einem Sommer mit besonders vielen Sonnentagen in einer Region ist die Risikobereitschaft hier oftmals allgemein ausgeprägter – ebenso übrigens wie am Abend eines besonderen Erfolgs einer Sportmannschaft.

Faktor Müdigkeit

Vor allem im Bereich der finanziellen Risiken treffen Menschen, die zu wenig Schlaf bekommen, oft deutlich häufiger riskante Entscheidungen als solche, die regelmäßig ausreichend guten Schlaf finden.

Das Geschlecht

Dass Männer risikofreudiger als Frauen sind, mag von manchem gern als Klischee abgetan werden. Diverse Studien legen diesen Schluss aber nahe und das nicht nur in einem Lebensbereich. So sind hier zum Beispiel die Bereiche:

  • Finanzentscheidungen
  • Drogenkonsum
  • Autofahren
  • riskantes sexuelles Verhalten

Untersucht worden und in alle diesen Bereichen lag die Risikobereitschaft der männlichen Probanden in der Regel höher als die der weiblichen.

In welchen Situationen weicht man von der „normalen“ Risikobereitschaft ab?

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Neben diesen „harten“ Faktoren gibt es auch Lebenssituationen, in denen man von der ansonsten für die eigene Person normalen Risikobereitschaft abweicht. Einer der größten Einflüsse in diesem Bereich ist der Alkohol. Je nach vorhandenem Blutalkohol kann die Risikobereitschaft deutlich über der normalen Hemmschwelle liegen und dabei sehr schnell selbstzerstörerische Züge annehmen. So werden ab einem gewissen Alkoholpegel Entscheidungen gar nicht mehr durchdacht, sondern es wird eher mechanisch gehandelt – oftmals mit verheerenden Folgen. Wie beispielsweise die Statistik zu Verkehrsunfällen unter Alkoholeinfluss belegt.

Fazit: Es gibt viele Faktoren, die die Risikobereitschaft beeinflussen

Dazu gehören Faktoren wie die Lebenserfahrung oder das Alter, aber auch Faktoren, die wir selbst beeinflussen können. So kann die Wahl des richtigen Umgangs uns dabei helfen, die eigene Risikobereitschaft nicht zu sehr in Höhe zu schrauben. Auch ausreichend Schlaf ist ein gutes Mittel, um gut und sorgfältig durchdachte Entscheidungen zu treffen. Vor allem aber Alkoholeinfluss kann zu einem vollständigen Kontrollverlust auch in Sachen Risikobereitschaft führen. Aus diesem Grund sollte man alkoholisiert grundsätzlich keine weitreichenden Entscheidungen treffen.

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