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Klimawandel: Wie lange dauert es noch bis zum Point of no Return?

Wir stoßen CO2 aus. Die Wälder brennen. Das Eis der Polkappen schmilzt. Die Erde erwärmt sich. Unaufhaltsam. Und immer mehr Schlagzeilen warnen uns. Der Punkt, an dem es kein Zurück mehr gibt, ist nahe. Obwohl einige Forscher anmerken, dass der Begriff in der Ökologie wenig Bedeutung haben könnte. Jede Verschlechterung hat ihre eigenen Folgen.

was klimawandel 300x169 - Klimawandel: Wie lange dauert es noch bis zum Point of no Return?Der “Point of no Return” ist eine Schwelle, die nicht überschritten werden darf. Andernfalls könnte sich das Ökosystem unwiederbringlich verschlechtern oder sogar ganz verschwinden. Um eine Vorstellung davon zu bekommen, ist das Bild einer Tasse, die an den Rand eines Tisches geschoben wird, interessant. Dann kommt der Moment, in dem ein kleiner zusätzlicher Druck die Tasse zu Fall bringt. Es gibt keinen Weg zurück.

Die Wissenschaftler haben also eine ganze Reihe von möglichen „Points of no Return“ definiert. Dies veranlasste sie zu der Annahme, dass unser Überleben auf der Erde nicht vor einem Temperaturanstieg von etwa 5°C im Vergleich zu den vorindustriellen Temperaturen irreversibel gefährdet ist.

Ende der 2010er Jahre revidierten sie jedoch ihre Schätzungen und kamen zu dem Schluss, dass ein Temperaturanstieg von 1 bis 2 °C ausreichen könnte, um eine Kaskade von Katastrophen auszulösen. Zwischen 2016 und 2020 ist die globale Temperatur der Erde im Vergleich zu diesen vorindustriellen Durchschnittswerten bereits um 1,1 °C gestiegen. Es wird erwartet, dass die 1,5°C-Marke bereits im Jahr 2030 überschritten wird.

Unsere Kohlenstoffuhr tickt

Der Zwischenstaatliche Ausschuss für Klimaänderungen (IPCC) warnte bereits 2018, dass die Welt bei einem Temperaturanstieg von 1,5 bis 2 °C nicht mehr dieselbe sein wird. Ein Überschreiten dieser Schwelle würde bedeuten, dass wir erhöhten Risiken für Arten – einschließlich unserer eigenen – und für die Wirtschaft ausgesetzt wären. Zugleich wäre die Stabilität und Widerstandsfähigkeit unseres Planeten in Frage gestellt. Auf dieser Grundlage hat das Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) eine Kohlenstoffuhr entwickelt. Eine Uhr, die die Zeit herunterzählt, bis wir genug Kohlenstoff ausgestoßen haben, um diesen Punkt ohne Wiederkehr zu erreichen.

Wenn wir unter der +1,5°C-Marke bleiben wollen, dürfen wir seit Ende 2017 nicht mehr als 420 Gigatonnen CO2 ausstoßen. Beim derzeitigen Stand der Treibhausgasemissionen wird dies in etwas mehr als neun Jahren der Fall sein – bis Ende 2027. Das Überschreiten der +2°C-Grenze wird etwa 26 Jahre dauern – es wird also etwa Ende 2045 geschehen.

Die Arktis am Abgrund

point of no return 300x206 - Klimawandel: Wie lange dauert es noch bis zum Point of no Return?Aus einer weniger globalen Perspektive betrachtet, scheint sich die Situation in der Arktis bereits zu ändern. Seit Anfang der 2000er Jahre verliert der grönländische Eisschild unaufhaltsam an Eis. Dies ist vor allem auf die steigenden Lufttemperaturen zurückzuführen. Und dieses Eis wird nicht mehr durch Schneefall regeneriert. Es wird erwartet, dass die Region vor 2050 eisfreie Sommer erleben wird.

Wissenschaftler sehen den Punkt, an dem es kein Zurück mehr gibt, irgendwo zwischen +1,5°C und +3°C. Der Zusammenbruch der Eiskappe kann Jahrhunderte dauern, aber er wäre nach Ansicht der Forscher unumkehrbar. Die einzige Möglichkeit, die Uhr zurückzudrehen, besteht darin, unseren Planeten weit unter diese Temperaturen abzukühlen.

Der Amazonas in Gefahr

Im Amazonasgebiet nimmt die Abholzung jedes Jahr zu. Laut Carlos Nobre, Klimatologe an der Universität von Sao Paolo, liegt der Punkt, an dem es kein Zurück mehr gibt – der Punkt, an dem der Amazonaswald, einer der größten Wälder der Welt, nicht mehr in der Lage ist, sich selbst zu erhalten – bei etwa 20-25 % Entwaldung. Wir sind jetzt bei 17 %! Es ist schwer vorherzusagen, wann die Grenze überschritten wird. Sicher ist nur, dass wir uns gefährlich nahe gekommen sind.

Der brennende Planet

In der Waldbrandsaison 2019-2020 gehen in Australien mehr als 18 Millionen Hektar in Rauch auf. Mega-Brände im Westen der USA und in der Arktis. Wissenschaftler hatten eine Zunahme der Waldbrände als Folge der globalen Erwärmung vorausgesagt. Aber sie hatten nicht erwartet, dass es so schnell gehen würde.

Sie sagen, dass der globale Temperaturanstieg und die sich verschlimmernden Dürren die Welt in ein neues Zeitalter geführt haben. Und die Methoden zur Bekämpfung dieser Brände müssen überarbeitet werden. Das Ausdünnen von Grasland, Überwachungsdrohnen und Computermodelle, die den Ausbruch von Bränden simulieren, könnten Teil der Lösung sein.

Was wäre, wenn es keinen „Point of no Return“ gäbe?

Parallel dazu stellen einige Ökologen die Frage, ob die Vortstellung von einem “Point of no Return” der ökologischen Realität entspricht.

Im August 2020 untersuchten sie rund 4.600 Studien über Ökosysteme, in denen eine Verschlechterung infolge des Klimawandels beobachtet wurde. Das Ergebnis: Nur in 5 % der Fälle konnte ein „point of no return“ festgestellt werden. Ab einem bestimmten Temperaturanstieg und dem Verschwinden der pflanzenfressenden Fische verschwinden beispielsweise Korallenriffe zugunsten von Algenwiesen. Bei den meisten Ökosystemen scheint die Verschlechterung der Umwelt jedoch progressiv zu sein. Mit Folgen ab der ersten Störung.

Urhebender Autor: Nathalie Mayer

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